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Der Cove Blog

Die Geheimnisse der Schurwolle

Eventuell haben Sie beim Blick in Ihr Sakko schon mal ein Etikett mit dem Aufdruck „Super 100’s“ oder „Finest Super 130 Wool“ bemerkt. Dass Ihr Anzug super ist, wussten Sie bestimmt bereits. Warum steht das denn nochmal explizit im Innenfutter?

Superzahl Schurwolle

Und wovon sprechen unsere Maßschneider eigentlich genau, wenn von „Gewicht auf den laufenden Meter“ die Rede ist? Lassen Sie uns die geheimen Codewörter entschlüsseln und in die Fachsprache unseres Metiers eintauchen.

Feinheit des Tuchs - Gut, Besser, Super!

Tuche, die eine solche Superzahl aufweisen, sind immer aus reiner Schurwolle gewebt. Reine Schurwolle darf sich nur solche Wolle nennen, die erstmalig vom lebenden Schaf gewonnen wurde. Die Zahl bezeichnet dann vereinfacht gesagt die Feinheit der vorliegenden Wolle. Sie beruft sich auf ein historisches, englisches Qualitätsbezeichnungssystem.

Superzahl: Es zeigt an, bis zu welcher Garnfeinheit eine bestimmte Wolle ausgesponnen werden kann. Je höher dieser Wert ist, desto feiner ist die Wollfaser.

Die Länge der versponnenen Fasern pro Gramm Gewicht entspricht der jeweiligen Zahl: Ein Super 100 hätte also eine Faserlänge von 100 Metern je Gramm. Mit zunehmender Zahl (zum Beispiel Super 120, Super 150) werden die Fasern immer feiner und dünner, wodurch sich auch das Garn weicher und feiner spinnen lässt. Die dünnste Faser, die bisher vom Schaf gewonnen wurde, hat übrigens einen Durchmesser von gerade mal 11,1 Mikron und stammt aus Australien. So groß (oder besser gesagt klein) wie eine Zelle im menschlichen Körper.
Es ist jedoch ein häufiger Irrglaube, dass sich hieraus Rückschlüsse auf das Gewicht des Tuches ziehen ließen. Auch feine Fasern lassen sich zu schweren Tuchen verweben. Leider müssen wir an dieser Stelle darauf hinweisen, dass es viele Anbieter mit dem Qualitätsbezeichnungssystem nicht so genau nehmen. Es gibt keine unabhängige Prüfungsinstanz mit entsprechenden Kontrollmöglichkeiten im Markt. Somit wird eine - kaum nachweisbare - falsche Superzahl häufig zu Marketingzwecken missbraucht. Achten Sie daher immer auch auf das Renommee der Weberei, wenn Sie einem Etikettenschwindel entgehen wollen. In unseren Ateliers finden Sie die komplette Bandbreit an Superzahlen - vom businesstauglichen Super 100 bis hin zum fast schon seidigem Super 210.

Beachten Sie bitte folgendes: Je höher die Superzahl, desto empfindlicher das Tuch. Daher empfehlen wir für robuste Alleskönner im Geschäftsalltag oft Schurwollanzüge im Bereich von Super 100 bis zur Feinheit von Super 130.

Meister in jeder Gewichtsklasse

Die Superzahl alleine birgt am Ende jedoch wenig Aussagekraft über die Einsatzfähigkeit des späteren Anzugs. Daher geben wir zusätzlich auch immer das Gewicht des Stoffes an. Stoffe mit einem Gewicht von 250g pro laufendem Meter und weniger sind hervorragend für die warmen Jahreszeiten geeignet. Im Bereich von 250g bis 300g pro Meter bewegen sich die Stoffe, die getrost das ganze Jahr über eingesetzt werden können. Gerade in Zeiten von klimatisierten Büros und Autos ist diese Gewichtsklasse zu unserem Bestseller avanciert. Sollten Sie - gerade in der kalten Jahreszeit - öfter mal in zugigen Parkhäusern unterwegs sein oder längeren Aufenthalten an ungemütlichen ICE-Umsteigebahnhöfe á la Montabaur ausgesetzt sein, dann empfehlen wir die wärmenden Tuchqualitäten ab 300g pro Meter aufwärts.

Eine weitere Vokabel aus einer anderen Geheimsprache ist übrigens ‚cove‘. Der Name unseres Unternehmens stammt aus dem Münsteraner Dialekt Masematte, wird ‚kowe‘ ausgesprochen und bedeutet schlicht ‚Kleidung‘.
Unser versierten Maßschneider vor Ort teilen gerne weitere Geheimnisse des Schneiderhandwerks mit Ihnen. Sie werden sehen: es lohnt sich!

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