Tuche

Der deutlichste Ausdruck von Individualität ist bei einem Maßanzug das Tuch, aus dem er gefertigt ist. Hier fallen Haltung und Geschmack, Kreativität und Persönlichkeit des Trägers unübersehbar in Auge.

Entscheidend für die Stoffe: Wo tragen Sie Ihren Maßanzug?

Heutzutage werden gerade für Anzüge deutlich leichtere Tuche als früher verarbeitet. Dies liegt, neben dem technologischen Fortschritt der Spinnereien und Tuchweber, auch an unseren veränderten Bürotemperaturen: Die Zeiten unterkühlter Kontore sind – zumindest, was die Temperaturen angeht – dank Zentralheizung auch in strengen Wintern längst vorbei. Dennoch gibt es bei Gewicht und Dicke der Stoffe auch heute noch große Unterschiede. Daher sollten Sie vor der Stoffauswahl zunächst genau bedenken, wo Sie Ihren Anzug nach Maß tragen werden. Kommt er in den Sommermonaten im warmen Mittelmeerklima zum Einsatz oder dient er vielleicht als treuer Reisegefährte bei den Vertragsverhandlungen in Moskau? Wird er ausschließlich im beheizten Auto und im vollklimatisierten Büro getragen oder sind Sie mit ihm, wie bei Bahnreisen typisch, dem Wechsel von warm und kalt ausgesetzt?

leichtes Tuche gleich besser?

An dieser Stelle möchten wir übrigens auch einmal mit dem von pfiffigen Marketingstrategen der Tuchindustrie gestreuten Gerücht aufräumen, leichte Tuche seien grundsätzlich hochwertiger als schwerere Gewebe. Ebenso wenig können wir die Aussage bestätigen, dass sich leichte Gewebe grundsätzlich besser oder angenehmer tragen oder gar besser „fallen“. Auf der Londoner Savile Row werden kaum Tuche unter 300g per laufenden Meter zu einem Anzug nach Maß verarbeitet. Auch wenn wir uns mit grundsätzlichen Äußerungen schwer tun: Ein etwas schwereres (englisches) Tuch wird immer haltbarer sein als ein leichtes (italienisches) Tuch. Einen englischen Maßanzug von einem der renommierten Schneider aus Mayfair hat man früher an die Söhne weitervererbt (und dazu sogar aufwendig umschneidern lassen). Nicht jede englische Tradition ist freilich ganz in unserem Sinne